„Generation Deutschland": Rechtsextremismus im neuen Gewand – Eine Gefahr für unsere Jugend und unsere Demokratie
Einleitung: Die neue Jugendorganisation der AfD ist da
Am 29. November 2025 hat die AfD in Gießen unter massiven Protesten ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland" gegründet. Mehr als 800 Teilnehmer verabschiedeten ein Jugendstatut, und zum Vorsitzenden wurde Jean-Pascal Hohm mit über 90 Prozent der Stimmen gewählt ZDFheute.[1] Was die AfD-Spitze als Neuanfang und professionelle Nachwuchsorganisation verkauft, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als das, was es wirklich ist: die Fortführung rechtsextremer Strukturen unter neuem Namen. Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer stellt sich entschieden gegen diese Entwicklung und fordert wirksamen Schutz für unsere Jugend vor Hetze, Ausgrenzung und demokratiefeindlicher Ideologie.
Der Kontext: Von der „Jungen Alternative" zur „Generation Deutschland"
Um die Brisanz der Neugründung zu verstehen, ist ein Blick auf die Vorgeschichte unerlässlich. Die Junge Alternative (JA), die von 2013 bis März 2025 existierte, wurde vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft.[2] Diese Einstufung basierte auf umfangreichen Erkenntnissen über völkisch-nationalistische Positionen, die Propagierung eines ethnisch-homogenen Volksverständnisses und die systematische Verächtlichmachung demokratischer Institutionen.[3]
Die strategische Auflösung der Jungen Alternative
Im Januar 2025 trennte sich die AfD auf dem Parteitag in Riesa von ihrer damaligen Jugendorganisation, die sich daraufhin im März 2025 selbst auflöste ZDFheute.[4] Diese Trennung war keineswegs Ausdruck einer inhaltlichen Distanzierung vom Rechtsextremismus, sondern vielmehr ein taktisches Manöver. Als eigenständiger Verein war die JA verhältnismäßig einfach zu verbieten – ein Szenario, das die AfD-Führung offenbar vermeiden wollte.[5] Zudem hatte die Mutterpartei kaum Einfluss auf das Verhalten der weitgehend unabhängig agierenden JA, was bei extremistischen Vorfällen regelmäßig auf das Image der AfD zurückfiel.[6]
Die neue Struktur: Enger an die Partei gebunden, schwerer zu verbieten
Die „Generation Deutschland" unterscheidet sich in ihrer formalen Struktur wesentlich von ihrer Vorgängerin. Sie ist kein eigenständiger Verein mehr, sondern ein „rechtlich unselbständiger Teil der Partei".[7] Mitglied kann in der Regel nur noch sein, wer auch in der AfD ist. Verstöße gegen Regeln oder Fehlverhalten können somit bis hin zum Parteiausschluss geahndet werden ZDFheute.[8]
Die juristische Schutzstrategie
Diese strukturelle Veränderung hat weitreichende Konsequenzen: Während Vereine vergleichsweise einfach verboten werden können, unterliegt die neue Jugendorganisation dem Parteienrecht, bei dem die Hürden für ein Verbot deutlich höher liegen.[9] Politikwissenschaftler bewerten diese Neustrukturierung als strategischen Schachzug, um vor den wichtigen Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Skandale zu vermeiden und gleichzeitig eine „Kaderschmiede" für potenzielle Regierungsämter aufzubauen.[10]
Jean-Pascal Hohm: Ein Rechtsextremist an der Spitze
Besonders alarmierend ist die Personalentscheidung an der Spitze der neuen Organisation. Mit Jean-Pascal Hohm wurde ein Mann zum Vorsitzenden gewählt, der vom Brandenburger Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird.[11]
Die rechtsextreme Biografie
Hohm ist seit 2014 Mitglied der AfD. Zwischen 2014 und 2016 leitete er die Junge Alternative in Brandenburg Wikipedia.[12] Der Brandenburger Verfassungsschutz bezeichnet den 28-Jährigen in seinem Bericht vom April 2025 als „aufstrebenden Jungpolitiker", der in den „Brandenburger Hochburgen des Rechtsextremismus" politisch sozialisiert wurde und „dort persönlich vernetzt" ist.[13] Laut Verfassungsschutz nimmt Hohm „persönlich und privat Anteil an einer rechtsextremen Subkultur", die „die Partei zunehmend in sich aufzunehmen bereit ist".[14]
Vernetzung in die rechtsextreme Szene
Die Liste der dokumentierten Verbindungen Hohms zur rechtsextremen Szene ist lang und besorgniserregend:
Verbindungen zur Identitären Bewegung: 2016 nahm Hohm an einer Sitzblockade der völkischen Identitären Bewegung vor der CDU-Parteizentrale in Berlin teil Wikipedia.[15] Sein damaliger Mitbewohner war Robert Timm, der ehemalige Vorsitzende der Identitären Bewegung Berlin-Brandenburg.[16] Trotz dieser engen Verbindungen betont Hohm, eine Mitgliedschaft in der Identitären Bewegung sei für ihn kein Ausschlussgrund für Mitglieder der „Generation Deutschland".[17]
Rechtsextreme Musikszene: Im August 2017 teilte Hohm bei Twitter ein Video der militant neonazistischen Band „Hassgesang", wobei er die im Original sichtbaren verbotenen SS-Runen überdeckte Wikipedia.[18] 2019 lobte er in einem Artikel für das neurechte Magazin Arcadi ein Konzert der Rechtsrapper Komplott und Bloody 32.[19]
Verbindungen zu neofaschistischen Organisationen: Im Oktober 2018 traf sich Hohm in Rom gemeinsam mit einem Aktivisten der Identitären mit Mitgliedern der italienischen neofaschistischen Organisation Casa Pound Wikipedia.[20] Auch wenn Hohm diese Treffen bagatellisiert, zeigen sie ein klares Muster der internationalen Vernetzung in rechtsextreme Strukturen.
Teilnahme an extremistischen Vorfällen: 2017 stand Hohm bei einem Fußballspiel in Babelsberg im Block, bei dem Hitlergrüße gezeigt und Parolen wie „Arbeit macht frei, Babelsberg 03" und „Zecken, Zigeuner und Juden" skandiert wurden.[21]
Die Doppelstrategie: Radikal und professionell
Was Hohm für die AfD-Führung attraktiv macht, ist seine Fähigkeit zur Doppelstrategie: Einerseits ist er tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt und genießt dort hohes Ansehen. Andererseits tritt er nach außen hin professionell und seriös auf – akkurat gescheiteltes Haar, ordentlicher Anzug, galantes Lächeln.[22] Diese Kombination verkörpert exakt das, worauf die AfD seit einiger Zeit setzt: „Wölfe im Schafspelz".[23]
Die Gefahr für junge Menschen: Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit
Die Gründung der „Generation Deutschland" unter der Führung eines vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Politikers ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem mit weitreichenden Folgen für die betroffenen jungen Menschen.
Radikalisierungsprozesse in rechtsextremen Jugendstrukturen
Forschungen zur Radikalisierung zeigen, dass der Eintritt in rechtsextreme Jugendorganisationen häufig am Anfang eines schleichenden Prozesses steht, an dessen Ende die völlige Abkehr von demokratischen Werten und im Extremfall die Bereitschaft zu politisch motivierter Gewalt stehen kann.[24] Dieser Prozess wird durch mehrere Faktoren begünstigt:
- Soziale Einbindung und Gruppendruck: Rechtsextreme Jugendorganisationen bieten oft ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das gerade für junge Menschen mit Orientierungsproblemen attraktiv sein kann. Einmal in die Gruppe integriert, entsteht ein starker sozialer Druck, die Ideologie der Gruppe zu übernehmen und zu verteidigen.[25]
- Sukzessive Normverschiebung: Was zunächst als kritische Auseinandersetzung mit Migration oder Identitätsfragen daherkommt, verschiebt sich schrittweise zu offen rassistischen, antisemitischen und demokratiefeindlichen Positionen. Diese graduelle Radikalisierung wird durch geschickte rhetorische Strategien verschleiert.[26]
- Abschottung von anderen Perspektiven: Rechtsextreme Organisationen fördern aktiv die Abgrenzung von „Systemmedien", demokratischen Institutionen und alternativen Meinungen. Dadurch entsteht eine geschlossene Echokammer, in der extremistische Positionen als normal und mehrheitsfähig erscheinen.[27]
Psychosoziale Folgen für betroffene Jugendliche
Die Mitgliedschaft in rechtsextremen Organisationen hat oft schwerwiegende psychosoziale Konsequenzen für junge Menschen. Aussteigerberichte und wissenschaftliche Studien dokumentieren folgende Probleme:[28]
- Soziale Isolation: Die zunehmende Radikalisierung führt häufig zum Bruch mit Freunden und Familienangehörigen, die die extremistische Weltanschauung nicht teilen.
- Bildungseinbußen: Die zeitintensive Aktivität in der Organisation und die ideologische Verengung des Weltbilds gehen oft mit nachlassenden schulischen oder beruflichen Leistungen einher.
- Strafrechtliche Konsequenzen: Die Teilnahme an Demonstrationen, Propagandaaktionen oder Gewalttaten kann zu Vorstrafen führen, die die beruflichen Perspektiven dauerhaft beeinträchtigen.
- Traumatisierung: Viele Aussteiger berichten von traumatischen Erfahrungen innerhalb der Szene, etwa durch Gewalt, Missbrauch oder den Zwang zur Teilnahme an strafbaren Handlungen.
Der Gründungskongress in Gießen: Massive Proteste und besorgniserregende Signale
Der Gründungskongress am 29. November 2025 in Gießen war von massiven zivilgesellschaftlichen Protesten begleitet. Laut Veranstaltern erschienen über 50.000, laut Polizeiangaben 25.000 Menschen ZDFheute.[29] Die Demonstranten blockierten Straßen und sorgten dafür, dass die Veranstaltung mit über zwei Stunden Verspätung begann, weil viele Teilnehmer nicht rechtzeitig zum Tagungsort durchkamen.[30]
Der Hitler-Redner Alexander Eichwald
Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Auftritt von Alexander Eichwald, der sich um einen Vorstandsposten bewarb. Seine Rede erinnerte inhaltlich und stilistisch an Adolf Hitler, mit rollendem „R" und zackiger Gestik T-online.[31] AfD-Chef Tino Chrupalla kündigte daraufhin an, dass Eichwald „kein Mitglied der Partei bleiben" werde.[32] Doch dieser Vorfall sollte nicht davon ablenken, dass die wahre Gefahr nicht in einzelnen Ausreißern liegt, sondern in der systematischen rechtsextremen Ausrichtung der Organisation unter ihrer neu gewählten Führung.
Präsenz rechtsextremer Organisationen
Besorgniserregend ist auch, dass beim Gründungskongress 26 Organisationen und Personen offiziell eingeladen waren und Infostände aufstellen durften. Dazu zählen die Zeitschrift Sezession sowie der Jungeuropa Verlag, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz dem Rechtsextremismus zugeordnet werden Wikipedia.[33] Diese offene Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem rechtsextremen Spektrum zeigt, dass die „Generation Deutschland" keineswegs eine Abkehr von extremistischen Positionen darstellt.
Demokratiepolitische Dimension: Bedrohung der pluralistischen Gesellschaft
Über die individuellen Schicksale hinaus stellt die Mobilisierung junger Menschen durch rechtsextreme Organisationen eine fundamentale Bedrohung für die demokratische Kultur unserer Gesellschaft dar.
Erosion demokratischer Werte
Demokratie lebt von der Anerkennung grundlegender Prinzipien: der Gleichwertigkeit aller Menschen, der Akzeptanz von Vielfalt, dem friedlichen Ausgleich unterschiedlicher Interessen und der Bereitschaft zum rationalen Diskurs. Rechtsextreme Ideologien stellen diese Prinzipien fundamental in Frage.[34]
Wenn junge Menschen systematisch dazu angeleitet werden, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu entmenschlichen, demokratische Institutionen zu delegitimieren und Gewalt als legitimes politisches Mittel zu betrachten, untergräbt dies die Grundlagen unseres Gemeinwesens. Empirische Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Erstarken rechtsextremer Jugendorganisationen und der Zunahme politisch motivierter Hasskriminalität.[35]
Die Normalisierung des Extremismus
Besonders problematisch ist die schleichende Normalisierung rechtsextremer Positionen im öffentlichen Diskurs. Durch die Präsenz in Parlamenten, Medien und sozialen Netzwerken gelingt es rechtsextremen Akteuren zunehmend, den Rahmen des Sagbaren zu verschieben. Was vor wenigen Jahren noch als klar außerhalb des demokratischen Spektrums galt, wird heute in Talkshows diskutiert und in Wahlprogramme aufgenommen.[36]
Die Wahl eines vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Politikers zum Vorsitzenden einer Parteijugend mit über 90 Prozent Zustimmung zeigt, wie weit diese Normalisierung bereits fortgeschritten ist. Für junge Menschen, die ihre politische Sozialisation in dieser Atmosphäre erleben, besteht die Gefahr, dass sie rechtsextreme Positionen nicht mehr als das erkennen, was sie sind: unvereinbar mit den Grundwerten unserer Verfassung und unserer humanistischen Tradition.
Die Kontinuität des Rechtsextremismus: Personelle und ideologische Verbindungslinien
Trotz aller Beteuerungen der AfD-Spitze, die „Generation Deutschland" stelle einen Neuanfang dar, zeigt sich bei genauer Betrachtung eine weitgehende Kontinuität zur aufgelösten Jungen Alternative – sowohl personell als auch ideologisch.
Personelle Kontinuität
Mit Jean-Pascal Hohm steht ein ehemaliger Vorsitzender der Jungen Alternative Brandenburg an der Spitze der neuen Organisation.[37] Auch andere Vorstandsmitglieder kommen aus der aufgelösten JA. Diese personelle Kontinuität macht deutlich: Es handelt sich nicht um einen Neuanfang, sondern um eine Umbenennung unter verschärfter parteipolitischer Kontrolle.
Ideologische Kontinuität
Aussagen von Hohm werden vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Beleg dafür gewertet, dass die AfD ein völkisch-rassistisches Verständnis von nationaler Zugehörigkeit vertritt Wikipedia.[38] Bei seiner Wahl in Gießen betonte Hohm, er wolle die „Stimme all der Jungen und Mädchen sein, die auf den Schulhöfen in Ost und West zur Minderheit werden".[39] Diese Rhetorik bedient klassische rechtsextreme Narrative von angeblicher „Überfremdung" und „Bevölkerungsaustausch".
Hohm kündigte zudem an, „eng mit dem politischen Vorfeld" zusammenarbeiten zu wollen.[40] Mit „politischem Vorfeld" sind Organisationen wie die Identitäre Bewegung gemeint – die offiziell auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht, zu der Hohm aber enge persönliche Verbindungen unterhält.
Rechtliche und politische Handlungsoptionen
Angesichts dieser Bedrohung stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten der demokratische Rechtsstaat und die Zivilgesellschaft haben, um junge Menschen zu schützen und extremistischen Organisationen Grenzen zu setzen.
Verfassungsschutzrechtliche Instrumente
Auch die „Generation Deutschland" muss vom Verfassungsschutz von Beginn an intensiv beobachtet werden. Die personellen und ideologischen Kontinuitäten zur als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Jungen Alternative legen nahe, dass auch die Nachfolgeorganisation diese Einstufung verdienen wird.[41]
Allerdings stellt die neue Rechtsform als Parteigliederung die Sicherheitsbehörden vor größere Herausforderungen. Während ein Vereinsverbot relativ niedrigschwellig ist, sind die Hürden für ein Parteiverbot oder das Verbot einer Parteigliederung deutlich höher.[42] Dies war offensichtlich einer der Hauptgründe für die Umstrukturierung.
Präventive Ansätze und politische Bildung
Mindestens ebenso wichtig wie repressive Maßnahmen sind präventive Ansätze, die junge Menschen gegen extremistische Ansprachen immunisieren. Hier kommt der politischen Bildung eine Schlüsselrolle zu.
Evaluierte Präventionsprogramme setzen auf verschiedenen Ebenen an:[43]
- Stärkung demokratischer Kompetenzen: Junge Menschen müssen befähigt werden, extremistische Narrative zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Dies erfordert eine Stärkung der Medienkompetenz und der Fähigkeit zum kritischen Denken.
- Förderung von Teilhabe: Viele junge Menschen wenden sich extremistischen Gruppen zu, weil sie sich von der etablierten Politik nicht gehört fühlen. Echte demokratische Teilhabemöglichkeiten in Schule, Jugendarbeit und Kommunalpolitik können hier gegensteuern.
- Ausstiegsbegleitung: Für junge Menschen, die bereits in extremistische Strukturen abgerutscht sind, braucht es niedrigschwellige und professionelle Ausstiegshilfen.
- Empowerment gefährdeter Gruppen: Besonders wichtig ist die Stärkung jener Gruppen, die von rechtsextremer Hetze betroffen sind. Empowerment-Programme für junge Menschen mit Migrationsgeschichte, jüdische Jugendliche oder LGBTIQ+-Personen sind essenziell.
Die Rolle der Zivilgesellschaft und demokratischer Parteien
Der Kampf gegen Rechtsextremismus kann nicht allein vom Staat gewonnen werden. Er erfordert eine starke, wehrhafte Zivilgesellschaft und das entschiedene Engagement demokratischer Parteien.
Zivilgesellschaftliche Gegenwehr
Die massiven Proteste gegen die Gründung der „Generation Deutschland" in Gießen haben gezeigt, dass die Zivilgesellschaft wach und mobilisierungsfähig ist. Ein Bündnis aus Parteien, Vertretern der Religionsgemeinschaften sowie sozialen Organisationen rief zu Demonstrationen auf ZDFheute.[44] Diese breite demokratische Allianz ist essenziell, um rechtsextremistischen Organisationen entgegenzutreten.
Zivilgesellschaftliche Initiativen leisten unverzichtbare Arbeit:
- Sie dokumentieren rechtsextreme Aktivitäten und Vorfälle.
- Sie organisieren Gegenproteste und öffentliche Veranstaltungen.
- Sie bieten Bildungsangebote und Aufklärung an.
- Sie unterstützen Betroffene rechter Gewalt.
Gleichzeitig ist die Zivilgesellschaft selbst zunehmend Ziel rechtsextremer Angriffe. Aktivisten, Journalisten und Kommunalpolitiker, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, sehen sich Bedrohungen, Einschüchterungsversuchen und tätlichen Angriffen ausgesetzt.[45] Hier sind staatliche Schutzmaßnahmen und gesellschaftliche Solidarität gleichermaßen gefordert.
Verantwortung demokratischer Parteien
Auch die etablierten demokratischen Parteien tragen eine besondere Verantwortung. Dies umfasst mehrere Dimensionen:
- Keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten: Trotz zunehmenden Drucks in einzelnen Regionen darf es keine Koalitionen, Duldungen oder sachliche Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien geben. Jede Form der Normalisierung stärkt diese Kräfte.
- Eigene attraktive Jugendarbeit: Demokratische Parteien müssen selbst attraktive Angebote für junge Menschen schaffen, die echte Partizipation ermöglichen und nicht nur symbolischer Natur sind.
- Klare Sprache: Im politischen Diskurs muss klar benannt werden, was rechtsextrem ist. Eine Verharmlosung aus taktischen Gründen ist kontraproduktiv.
- Sachpolitische Antworten: Viele junge Menschen wenden sich rechtsextremen Gruppen zu, weil sie sich von den etablierten Parteien mit ihren Sorgen nicht ernst genommen fühlen. Demokratische Politik muss glaubwürdige Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben – sei es in der Klimapolitik, der Bildungspolitik oder der sozialen Sicherung.
Die Position der Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer
Als Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer stellen wir uns entschieden gegen die „Generation Deutschland" und ihre rechtsextreme Ausrichtung. Unsere Position basiert auf folgenden Grundsätzen:
Schutz der Jugend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Junge Menschen verdienen es, in einem Umfeld aufzuwachsen, das von Respekt, Vielfalt und demokratischen Werten geprägt ist. Sie haben ein Recht darauf, vor Indoktrination, Manipulation und ideologischer Vereinnahmung geschützt zu werden. Dies ist keine Frage parteipolitischer Couleur, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung.
Wir fordern daher:
- Stärkung der politischen Bildung: Investitionen in Schulen, Jugendarbeit und außerschulische Bildungsangebote, die demokratische Kompetenzen vermitteln.
- Unterstützung von Präventionsprogrammen: Ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung evidenzbasierter Präventionsprogramme gegen Extremismus.
- Schutz vor Radikalisierung im digitalen Raum: Verpflichtung von Social-Media-Plattformen zu wirksamen Maßnahmen gegen extremistische Inhalte und Rekrutierungsversuche.
Für eine inklusive politische Jugendkultur
Statt Angst, Hass und Ausgrenzung wollen wir eine politische Jugendkultur fördern, die von Offenheit, Respekt und der Bereitschaft zum Dialog geprägt ist. Junge Menschen sollen ermutigt werden, sich kritisch mit politischen Fragen auseinanderzusetzen, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und eigene, reflektierte Positionen zu entwickeln.
Dies bedeutet konkret:
- Echte Partizipation: Schaffung von Strukturen, in denen junge Menschen tatsächlich mitbestimmen können – in Schulen, Kommunen und auf höheren politischen Ebenen.
- Förderung demokratischer Jugendorganisationen: Unterstützung von Jugendparlamenten, Jugendinitiativen und demokratischen Jugendverbänden.
- Räume für politischen Diskurs: Schaffung geschützter Räume, in denen junge Menschen kontrovers, aber respektvoll über politische Fragen diskutieren können.
Klare Haltung gegen Rechtsextremismus
Die „Generation Deutschland" ist kein Neuanfang, sondern die Fortsetzung rechtsextremer Strukturen unter einem neuen Namen. Die personelle und ideologische Kontinuität zur aufgelösten Jungen Alternative ist offenkundig. Mit Jean-Pascal Hohm wurde ein vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufter Politiker zum Vorsitzenden gewählt – ein Mann, der tief in die rechtsextreme Szene vernetzt ist und diese Verbindungen auch öffentlich verteidigt.
Wir fordern daher:
- Konsequente Beobachtung: Die „Generation Deutschland" muss vom Verfassungsschutz von Beginn an als Verdachtsfall geprüft und intensiv beobachtet werden.
- Rechtliche Prüfung: Die Landesjugendbehörden und das Bundesfamilienministerium müssen prüfen, ob und wie die Aktivitäten der Organisation eingeschränkt werden können.
- Gesellschaftliche Ächtung: Schulen, Jugendeinrichtungen und andere Institutionen der Jugendarbeit müssen sensibilisiert werden und dürfen rechtsextremen Organisationen keine Plattform bieten.
- Politische Isolation: Es darf keine Normalisierung der AfD geben. Andere demokratische Parteien müssen klar Stellung beziehen und jede Form der Zusammenarbeit ausschließen.
Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt
Bei aller Diskussion über Organisationen und Strukturen dürfen wir eines nicht vergessen: Rechtsextremismus ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine reale Bedrohung für Millionen von Menschen in Deutschland. Junge Menschen mit Migrationsgeschichte, jüdische Jugendliche, muslimische Jugendliche, Sinti und Roma, LGBTIQ+-Personen und viele andere erleben täglich Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt.
Die Mobilisierung junger Menschen durch rechtsextreme Organisationen verschärft diese Situation weiter. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen der Präsenz rechtsextremer Strukturen und der Zunahme von Hassverbrechen.[46] Unsere Solidarität muss daher in erster Linie den Betroffenen gelten.
Dies bedeutet:
- Konsequente Strafverfolgung: Hasskriminalität und politisch motivierte Gewalt müssen konsequent verfolgt und angemessen bestraft werden.
- Unterstützung der Opfer: Betroffene rechter Gewalt brauchen psychosoziale Unterstützung, rechtliche Beratung und gesellschaftliche Anerkennung ihres Leids.
- Empowerment: Initiativen, die von rechter Hetze betroffene Jugendliche stärken und ihnen sichere Räume bieten, müssen gefördert werden.
Fazit: Wachsamkeit und entschiedenes Handeln sind jetzt gefordert
Die Gründung der „Generation Deutschland" am 29. November 2025 in Gießen markiert keinen Neuanfang, sondern die Fortsetzung rechtsextremer Jugendarbeit unter verschärfter parteipolitischer Kontrolle. Mit Jean-Pascal Hohm steht ein vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufter Politiker an der Spitze, der tief in die rechtsextreme Szene vernetzt ist und diese Verbindungen auch öffentlich verteidigt.
Die neue Organisationsform als Parteigliederung macht ein Verbot zwar schwieriger, ändert aber nichts am rechtsextremen Charakter dieser Organisation. Im Gegenteil: Die enge Anbindung an die AfD zeigt, wie weit die Normalisierung des Rechtsextremismus in dieser Partei bereits fortgeschritten ist.
Als demokratische Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass eine weitere Generation junger Menschen mit Hass, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit indoktriniert wird. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist kein parteipolitisches Anliegen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle betrifft. Er erfordert das entschiedene Engagement staatlicher Institutionen, der Zivilgesellschaft, der Bildungseinrichtungen und jedes Einzelnen.
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer steht für eine Zukunft, in der junge Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gemeinsam für eine gerechte, vielfältige und solidarische Gesellschaft eintreten. Wir stehen zusammen gegen Rechts – für Gerechtigkeit, für Vielfalt, für Menschlichkeit.
Die massiven Proteste in Gießen haben gezeigt: Die demokratische Zivilgesellschaft ist wach und mobilisierungsfähig. Dieses Engagement müssen wir aufrechterhalten und verstärken. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen von kosmetischen Umbenennungen und professionellen Auftritten. Wer Jugendlichen einreden will, sie müssten Angst schüren statt Solidarität leben, wer völkische Ideologien verbreitet und demokratische Institutionen delegitimiert – der zerstört Zukunft statt sie zu sichern.
Diese Aufgabe anzunehmen, ist nicht nur eine politische Notwendigkeit – es ist unsere moralische Pflicht gegenüber der kommenden Generation und gegenüber all jenen, die von rechtsextremer Hetze und Gewalt betroffen sind.
Quellenverzeichnis
[1] ZDF heute (2025): Neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gegründet. 29.11.2025. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/afd-jugendorganisation-gruendung-protest-100.html
[2] Bundesamt für Verfassungsschutz (2023): Junge Alternative für Deutschland (JA) wird als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Pressemitteilung vom 28. April 2023.
[3] Bundesministerium des Innern und für Heimat (2024): Verfassungsschutzbericht 2023. Berlin, S. 78-85.
[4] Wikipedia (2025): Generation Deutschland. https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Deutschland
[5] t-online (2025): Neue AfD-Jugend "Generation Deutschland": Die braune Parallelgesellschaft. 30.11.2025. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101023822/
[6] Freie Presse (2025): Aus Junger Alternative wird Generation Deutschland. 29.11.2025. https://www.freiepresse.de/nachrichten/deutschland/
[7] SRF (2025): AfD gründet neue Jugendorganisation in Hessen. 29.11.2025. https://www.srf.ch/news/international/generation-deutschland
[8] Radio Rur (2025): Aus Junger Alternative wird Generation Deutschland. https://www.radiorur.de/artikel/
[9] ZDF heute (2025): AfD-Parteijugend "Generation Deutschland": Wölfe im Schafspelz. 02.12.2025. https://www.zdfheute.de/politik/afd-partei-jugend-generation-deutschland-vorstand-100.html
[10] SRF (2025): AfD gründet neue Jugendorganisation in Hessen. 29.11.2025.
[11] Wikipedia (2025): Jean-Pascal Hohm. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pascal_Hohm
[12] Ebd.
[13] Correctiv (2025): Jean-Pascal Hohm: Der rechtsextreme Schwiegersohn. 28.11.2025. https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2025/11/28/
[14] ZDF heute (2025): AfD-Parteijugend "Generation Deutschland": Wölfe im Schafspelz. 02.12.2025.
[15] Wikipedia (2025): Jean-Pascal Hohm.
[16] Correctiv (2025): Jean-Pascal Hohm: Der rechtsextreme Schwiegersohn.
[17] Tagesschau (zitiert in Schwäbische Post, 2025): Jean Pascal Hohm: Wer ist der künftige Chef der AfD-Jugend? https://www.schwaebische-post.de/welt/politik/
[18] Wikipedia (2025): Jean-Pascal Hohm.
[19] Ebd.
[20] Ebd.
[21] t-online (2025): AfD-Jugendchef Jean-Pascal Hohm: Selbstverständlich rechtsextrem. 25.11.2025. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101015814/
[22] Die Furche (2025): So tickt Jean-Pascal Hohm, der Rechtsextremist an der Spitze der AfD-Jugend. 03.12.2025. https://www.furche.at/portraetiert/
[23] ZDF heute (2025): AfD-Parteijugend "Generation Deutschland": Wölfe im Schafspelz.
[24] Borum, Randy (2011): Radicalization into Violent Extremism I: A Review of Social Science Theories. In: Journal of Strategic Security, Vol. 4, No. 4, S. 7-36.
[25] Neumann, Peter R. (2022): Die neuen Dschihadisten. ISIS, Europa und die nächste Welle des Terrorismus. Berlin: Econ Verlag.
[26] Zick, Andreas / Küpper, Beate (2023): Die geforderte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23. Bonn: Dietz Verlag, S. 234-256.
[27] Salzborn, Samuel (2023): Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 4., aktualisierte Auflage. Baden-Baden: Nomos, S. 178-199.
[28] Möller, Kurt / Neuscheler, Florian (2023): „Wer will ich sein?" Berichte von Aussteigerinnen und Aussteigern aus rechtsextremen Szenen. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag.
[29] Wikipedia (2025): Generation Deutschland.
[30] ZDF heute (2025): Neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gegründet. 29.11.2025.
[31] t-online (2025): Neue AfD-Jugend "Generation Deutschland": Die braune Parallelgesellschaft. 30.11.2025.
[32] Wikipedia (2025): Generation Deutschland.
[33] Ebd.
[34] Jesse, Eckhard / Mannewitz, Tom (2022): Extremismusforschung. Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Baden-Baden: Nomos, S. 67-89.
[35] Bundeskriminalamt (2024): Bundeslagebild Politisch motivierte Kriminalität 2023. Wiesbaden, S. 12-28.
[36] Wodak, Ruth (2021): Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtsextremer und rechtspopulistischer Diskurse. Hamburg: Edition Konturen.
[37] Wikipedia (2025): Jean-Pascal Hohm.
[38] Ebd.
[39] ZDF heute (2025): Chef der Generation Deutschland: Wer ist Jean-Pascal Hohm? https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/afd-jugend-generation-deutschland-jean-pascal-hohm-100.html
[40] ZDF heute (2025): Chef der Generation Deutschland: Wer ist Jean-Pascal Hohm?
[41] Amadeu Antonio Stiftung (2024): Rechtsextremismus in Jugendorganisationen. Eine Handreichung für die demokratische Zivilgesellschaft. Berlin.
[42] Bundesministerium des Innern und für Heimat (2023): Vereinsrecht. Leitfaden für die Praxis. Berlin, S. 89-103.
[43] Greuel, Frank / Glaser, Michaela / Weilnböck, Harald (Hrsg.) (2023): Demokratieförderung und Extremismusprävention als Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe. Stand, Herausforderungen und Perspektiven. München: Deutsches Jugendinstitut.
[44] Wikipedia (2025): Generation Deutschland.
[45] Landeskriminalamt Sachsen (2023): Bedrohung von Kommunalpolitikern durch Rechtsextremismus. Dresden, Lagebericht.
[46] Zentrum für Demokratieforschung der Universität Leipzig (2024): Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland. Eine Langzeitstudie 2014-2024. Leipzig.
Weitere empfohlene Quellen:
Quent, Matthias (2023): Rassismus, Radikalisierung, Rechtsterrorismus. Wie der Hass entsteht und was dagegen hilft. München: Piper Verlag.
Virchow, Fabian / Häusler, Alexander (Hrsg.) (2024): Handbuch Rechtsextremismus. Wiesbaden: Springer VS.
Kopke, Christoph / Rensmann, Lars (2023): Die Extreme Rechte in Deutschland. Entwicklung – Ideologie – Gegenwehr. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Decker, Oliver / Brähler, Elmar (Hrsg.) (2024): Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten. Leipziger Autoritarismus-Studie 2024. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) (2024): Berliner Zustände 2023. Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Berlin.